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Die Anfänge:
Ähnlich wie in vielen anderen deutschen Fanszenen, so entdeckten in der Mitte
der 90er Jahre auch in Berlin einige jüngere Fans den Hang zum noch intensive
ren
und extremeren Fanleben. Zur damaligen Zeit war zwar eine wirklich aktive
Ultraszene kaum denkbar, doch es war eine deutliche Veränderung innerhalb der
Fanszene zu bemerken. Oberste Priorität hatte schon damals die Anwesenheit bei
möglichst jedem Kick der Hertha. Egal ob Heim- oder Auswärtsspiel, egal ob in
der Liga oder beim Testspielkick im fernen Ausland, es gab immer Gruppen aus der
jungen Fanszene, die vor Ort waren. Zudem entdeckten viele Leute die Faszination
von pyrotechnischen Artikeln als optisches Highlight im Stadion. Es gab kaum ein
Auswärtsspiel, bei dem es im Gästeblock nicht qualmte oder leuchtete. Damals war
die Überwachung in den Stadien noch relativ harmlos und somit konnte nach Lust
und Laune gefackelt werden. Es gab, im Vergleich zu heute, kaum Stadionverbote
oder Anzeigen wegen Pyrotechnik in den Stadien.
Saison: 1998/1999
Um auch optisch noch präsenter zu sein, wurden aufwendige und große Zaunfahnen
angefertigt. Jede Gruppe besaß mindestens ein bis zwei große Zaunfahnen, denn
schließlich gab es ja genügend Platz im weiten Rund des Oly
mpiastadions.
Besonders extrem war der Fahnenkult in den beiden Jahren nach dem Aufstieg in
die 1. Bundesliga. Die Fahnen einiger weniger Gruppen markierten damals den
gesamten Fanbereich bis hin zur Gegentribüne. Die zu dieser Zeit aktivsten
Gruppen waren: Spreehoppaz, Spreepower, Commando Nord, Inferno Berlin,
Frankfordia Korps, Young Boys sowie auch einige Einzelpersonen. Diese Jungs und
Mädels waren es auch,
die sich im Sommer 1998 zusammentaten um die "Hertha BSC Harlekins" zu
gründen. Die Gruppe umfasste zu dieser Zeit einen
Personenkreis von etwa 30 - 40 Leuten. Das Hauptziel war die
gemeinsame Organisation und Durchführung von Choreographien.
Premiere gab es dann beim Pokalspiel gegen TeBe. Die damalige
Derby-Aktion war relativ simpel (für heutige Verhältnisse)
und bestand aus blauen Zetteln sowie einem Spruchband. In der folgenden
Zeit folgten dann noch weitere Choreographien mit Zetteln,
Mülltüten, Folienbahnen, Riesendoppelhaltern, etc.
Doch auch der akustische Support der Hertha sollte nicht zu kurz kommen und deshalb versuchte man schon damals die Massen (in der Aufstiegssaison 97/98 hatte Hertha einen Heimschnitt von 53.000 Zuschauern!!!) per Megaphon zum lautstarken und abwechslungsreichen Support zu animieren. Der Erfolg, in Form von einem konstant lauten Heimsupport, blieb jedoch aus. Aufgrund einer riesigen Welle an neuen Fans sowie einer damals eher geringen Akzeptanz in der Fanszene war dieses Ziel wohl auch relativ unrealistisch.
Saison: 1999/2000
1999 standen die „Hertha BSC Harlekins“ dann kurz vor der Auflösung. Es kam zu
einigen Unstimmigkeiten innerhalb der Gruppe, was den Großteil der eigentlichen
Gründer dazu veranlasste die „Hertha BSC Harlekins“ zu verlassen. Die wenigen
übrig gebliebenen Leute entschlossen sich zu einem Neubeginn. Ende des Jahres
1999 wurde die Gruppe dann unter dem Namen „Harlekins Berlin ’98“ quasi neu
gegründet und aus der ehemaligen Choreographiegruppe sollte eine
Ultragruppierung wachsen, bei der jeder Mitglied werden konnte, der die
gemeinsamen Ziele verfolgte. Somit gab man vielen neuen Leuten die Möglichkeit
sich in der Gruppe zu etablieren, was vor dem Umbruch noch nicht möglich war.
Saison: 2000/2001
Dank der steigenden Mitgliederzahlen und dem damit verbundenen Einnahmen an
Mitgliedsbeiträgen war es möglich noch besser und selbstständiger zu arbeiten.
Mitgliedsausweise und die ersten eigenen Fanartikel wurden hergestellt.
Doppelhalter, Fahnen und erste aufwendigere Choreographien entstanden. Zudem
wurde versucht ein System in der Gruppe aufzubauen, indem man verschiedene
Aufgaben auf die Leute verteilte. Trotz relativ schwi
eriger Umstände, da man
aufgrund des Umbaus des Olympiastadions mehrere Male den Standort wechseln
musste, gelang es in dieser Zeit auch den Support bei Heimspielen zu verbessern.
Nunmehr gab es auch einen festen Vorsänger, der mit Hilfe des Megaphons den
Support koordinierte. Mitten in dieser Phase des Aufwindes gab es einen herben
Rückschlag für die Gruppe. Der damalige Fanbeauftragte Carsten Grab wählte am
17. Oktober 2000 einen tragischen Freitod. Er war stets Ansprechpartner und
beteiligte sich mit kreativen Ideen und Vorschlägen aktiv an der Entwicklung der
Gruppe. Er wird immer einen Platz in unseren Herzen haben!
Carsten, wir werden dich nie vergessen!!!
Saison: 2001/2002
Die „Harlekin
s Berlin ’98“ entwickelten sich mehr und mehr zur aktivsten Gruppe
in der Fanszene von Hertha BSC. Die optische Unterstützung in Form von
Choreographien gewann weiter an Qualität. Spätestens seit dieser Saison wurden
alle Aktionen in Eigenregie geplant und auch selbstständig finanziert. Das hat
sich bis heute nicht geändert und diese Unabhängigkeit von Verein und Sponsoren
ist einer der wichtigsten Bestandteile unserer Philosophie.
Saison: 2002/2003
Ein großer Schritt in der Entwicklung der Berliner Fanszene wurde mit der
Fertigstellun
g und dem Umzug in die neue Ostkurve getan. Seit dem Sommer 2002
stehen die „Harlekins Berlin ’98“ nun im Mittelteil der Kurve (7200 Zuschauer
Kapazität). Die Mitgliederzahl hatte sich bis zu dieser Saison bei etwa 250
Leuten eingependelt und auch der Anteil der Leute die beim Support mitzogen
wurde um ein Vielfaches erhöht.
Saison: 2003/2004
Diese Saison war geprägt von der sportlichen Talfahrt der Mannschaft, welche
fast mit dem Abstieg endete.
Erst am vorletzten Spieltag konnte der
Klassenerhalt sichergestellt werden und auch im UEFA-Pokal sowie im DFB-Pokal
scheiterte die Mannschaft bereits frühzeitig. Trotz der sportlich schweren
Saison war es möglich den Support kontinuierlich zu steigern und in den
entscheidenden Heimspielen in der Rückrunde eine unglaubliche Atmosphäre im
Olympiastadion zu erzeugen. Die negative Entwicklung auf dem Rasen wirkte sich
positiv auf die eher gespaltene Fanszene aus, denn viele Leute rückten nun
endlich enger zusammen.
Saison: 2004/2005
Nach den zum Teil negativen Erfahrungen mit der fehlenden Einstellung vieler
Mitglieder und der immer mehr aufkommenden Modeerscheinung „Ultras“ beschloss
man die „Harlekins Berlin ’98“ auf den aktiven Kern von ca. 50 Leuten zu
reduzieren und somit den Rest der Mitglieder auszuschließen. Parallel dazu wurde
ein Förderkreis ins Leben gerufen, dem jeder beitreten konnte der Choreographien
und Aktionen unterstützen wollte.
Kaum waren die ersten
Spiele der Hinrunde vergangen gab es auch schon die erste Hiobsbotschaft. Benny,
einer von uns, musste ins Krankenhaus eingeliefert werden, da bei ihm akute
Leukämie diagnostiziert wurde. Schnell
war klar, dass wir als Gruppe etwas
unternehmen müssen. Über mehrere Wochen und Monate lang wurden mit Hilfe vieler
anderer Vereine, Fans und Ultragruppen Geldsammelaktionen gestartet und
Bluttypisierungen durchgeführt. Eine unglaubliche Anzahl an Typisierungen und
Spenden konnte die überregional angewachsene Aktion „Helft Benny“ verbuchen,
doch leider konnte selbst der gefundene Knochenmarkspender Benny nicht endgültig
helfen, denn er verstarb am 28.05.2005 in Folge einer Infektion.
Benny, wir werden dich nie vergessen!!!
Saison: 2005/2006
Die Mannschaft beendete die Saison nach einem
sehr guten Start und einer langen Schwächephase auf dem 6.
Tabellenplatz, welcher lediglich für den UI-Cup qualifizierte.
Somit wurde nach dem blamablen Pokalaus beim drittklassigen FC St.
Pauli und den schwachen Auftritten im UEFA-Cup auch die direkt Qualifikation für den internationalen Wettbewerb verfehlt.
Auch aus Fansicht fällt das Resümee
der Saison eher
durchwachsen aus. Nachdem es in der Rückrunde aus vielen Reihen
der Fanszene heftige Kritik an der Mannschaft und vorrangig an der
Vereinsführung gab, reagierte der Verein mit einer Vielzahl von
Verboten und neuen Auflagen für Flyer und Spruchbänder im Stadion. Die
Meinungsverschiedenheiten gingen soweit, dass intern über Vereinsausschlüsse
diskutiert wurde und in der Öffentlichkeit gegen Mitglieder und Fangruppen
geschossen wurde. Diese angespannte Situation machte sich auch beim Support
bemerkbar, welcher bis auf wenige Ausnahmen unter den vorhandenen
Möglichkeiten blieb. Auch das Verhältnis zur Mannschaft hat sich aufgrund
dieser Tatsache enorm verschlechtert, denn einige Spieler verhalten sich seit
den Vorkommnissen relativ bedeckt und zurückhaltend.
Mit dem Förderkreis Ostkurve e.V.
wurde zu Saisonbeginn in Zusammenarbeit mit einigen anderen Fanclubs und
Organisationen aus der Fanszene ein Verein ins Leben gerufen, welcher
künftig neben dem Durchführen der aufwendigen Choreographien
den Zusammenhalt und die Zusammenarbeit verschiedenster Gruppen
innerhalb der Ostkurve fördern und beleben soll.
Saison: 2006/2007
Nach einer schwachen Vorstellung im UI-Cup gegen FK Moskau war im UEFA-Pokal bereits nach der ersten Runde schluss. In der Bundesliga lief es zunächst ziemlich gut, zwischenzeitlich durfte man sich sogar als Spitzenreiter feiern lassen, doch nach einer schlechten Rückrunde war man am Ende der Saison dann sogar mit dem erreichten zehnten Platz in der Meisterschaft zufrieden. Auch im DFB-Pokal konnte man keine großen Erfolge verbuchen. Zwar erreichten wir das Viertelfinale, schieden jedoch ausgerechnet gegen die Schaben aus Stuttgart aus dem Wettbewerb aus.
Zu allem Überfluss musste Andreas „Zecke“ Neuendorf unsere Hertha verlassen. Der Verein war nicht gewillt, einem der wenigen Herthaner in dieser Mannschaft, einen neuen Vertrag anzubieten. Dafür wurde sein Abschied, in Form einer großen Choreographie, von der Ostkurve gebührend gefeiert.
Das Verhältnis zum Verein hat sich im Verlaufe dieser Saison weiter verschlechtert. Die anhaltende Kritik an der Vereinsführung hat dazu geführt, dass auf beiden Seiten kaum noch Gesprächsbereitschaft besteht. Der Respekt gegenüber dem eigenen Anhang ist geringer als je zuvor und somit kommt es sogar zu öffentlichen Diffamierungen seitens einiger Vereinsvertreter.
Besonders massiv geprägt wurde die Saison durch den Kampf gegen willkürliche Stadionverbote. Zu Höchstzeiten mussten ca. zwanzig Prozent unserer Mitglieder vor den Stadiontoren verweilen, da sie durch ein bundesweites Stadionverbot ausgesperrt waren. Einige dieser Verbote werden wohl in naher Zukunft aufgehoben, doch immer noch warten Unschuldige bzw. nicht verurteilte Mitglieder darauf, dass Olympiastadion wieder von innen sehen zu dürfen.
Ein weiterer Streitpunkt mit den Vereinsoberen war das geänderte Wappen auf unseren Heimtrikots und auf diversen Fanartikeln. Der Verein präsentierte vor Saisonbeginn mit einer großen Showeinlage ein angebliches Traditionslogo mit einem Adler auf der Brust der Spieler. Ein Aufschrei ging durch die Reihen der Herthaner und sofort wurde die Initiative "Herthafahne - sonst nix" ins Leben gerufen, der sich viele Fangruppen und Fanclubs anschlossen. Gemeinsam wurden Aktionen zum erhalt der Fahne gestartet (Choreographie, Poster, Flyer, Shirts, Unterschriften, ...) und selbst der Ältestenrat von Hertha BSC nahm sich in einem Gespräch mit Vertretern der Initiative dem Thema an. Auf eine Antwort oder eine Reaktion der Geschäftsführung wartet man allerdings noch bis heute.
Eine gute Entwicklung ist beim Förderkreis Ostkurve e.V. zu erkennen. In der abgelaufenen Saison konnten einige aufwendige Choreos realisiert werden und auch der Kreis der festen Auswärtsfahrer wurde kontinuierlich gesteigert. Zudem zählt der FKO mittlerweile über 250 Mitglieder. Somit kann man nach rund zwei Jahren Förderkreis ein durchaus positives Fazit ziehen. Es bewegt sich was …
Den Tiefpunkt der Saison bildete der überraschende Tod unseres Bruders aus Karlsruhe. „Moser“ verstarb am 01. 12. 2006, im Alter von 30 Jahren, bei einem schweren Arbeitsunfall. Man meint es nicht gut mit uns ...
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Moser - für immer in unseren Herzen!
Saison: 2007/2008
Sportlich bot die Saison 2007/2008 nichts Aufregendes. Im DFB-Pokal verabschiedete sich die Mannschaft wieder frühzeitig aus dem Wettbewerb und auch in der Bundesliga wurden keine Bäume ausgerissen. Am Saisonende belegte unsere Hertha, nach dem ersten Jahr unter dem Schweizer Lucien Favre, Platz 10 und rutschte über eine ominöse „Fair Play“ - Wertung doch noch in den UEFA-Pokal für folgende Saison.
Bei uns liefen die Vorbereitungen für die neue Spielzeit bereits vor dem ersten Spiel auf Hochtouren. So bewegten sich zunächst der Verein und wir als Gruppe aufeinander zu, in dem beide Parteien in Bezug auf unseren vorgelegten Forderungskatalog Kompromissbereitschaft signalisierten. Wir waren überzeugt, dass man nun endlich wieder auf eine Zusammenarbeit, statt auf eine Konfrontation, hoffen konnte.
Doch dies alles sollte sich beim ersten Heimspiel dieser Saison gegen Stuttgart schlagartig ändern. Der Verein sprach zunächst 34 Stadionverbote aus, ohne dass bis heute auch nur eine Strafanzeigen gestellt wurden. Bei uns, aber auch bei den anderen Gruppen der aktiven Szene von Hertha BSC machte sich eine Art Verzweiflung breit und die Kurve schien wie gelähmt. Erstmals Bezogen wir auch andere relevanten Gruppierungen in unsere Entscheidung mit ein und einigten uns letztendlich darauf, die Kurve solange zu verlassen, bis die gesamten Stadionverbote aufgehoben werden und man ein Anhörungsrecht vor Aussprache des Stadionverbotes hat.

Diese beiden Vorraussetzungen wurden bis zum Heimspiel gegen den MSV Duisburg erfüllt. Zu diesem Heimspiel kehrten wir dann nach fast einem halben Jahr stillen Protests in die Kurve zurück und nahmen den Support bei Heim- und Auswärtsspielen wieder auf.
Einen weiteren bitteren Moment stellte das Bundesliga-Heimspiel gegen unsere Freunde aus Karlsruhe dar. Durch vorherrschende Bürokratie und anscheinendes Unwissen wurde der Karlsruher Szene eine Choreographie kurzfristig verboten und zusätzlich kam es am Einlass und auch im Stadion zu einigen Diskussionen und darauf folgenden Verboten von weiteren Materialien (z.B. Zaunfahnen, Doppelhalter, …). Diese unangebrachte Umgangsweise mit Freunden konnte Karlsruher Ultras nicht hinnehmen und verließen noch in der ersten Halbzeit das Stadion. Ihnen folgten ca. 500 Leute der Fanszene von Hertha BSC.
Der Förderkreis machte weiter kleine Schritte nach vorne und kann nun rund 350 Mitglieder verzeichnen. Zwar liegt hier noch eine Menge Arbeit vor den Beteiligten, doch endlich kann man behaupten, dass die Szene einen Anlaufpunkt für alle Interessierten und Engagierten geschaffen hat.